Empfangen und Empfinden

Nach langer Zeit wieder mal ein Eintrag im Blog…
…es ist viel passiert, wer mir auf Facebook folgt, hat es vermutlich mitbekommen…

Was mich zu dem neuen Beitrag inspiriert hat, war eine Frage in einem Post…
„Was ist Zeit?“ …
Unter dem Begriff verbergen sich viele kleine Besonderheiten, die ich gerne beleuchten und mit Euch teilen möchte 😊

Zuerst habe ich einmal eine bekannte Suchmaschine befragt, lustigerweise kam das dabei raus – eben genau in dem Moment, in dem ich hier schreibe:

Wikipedia schreibt dazu folgenden Satz:
„…Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also eine eindeutige, unumkehrbare Richtung….“
Sprich es wird

  1. eine Linearität vorausgesetzt
  2. festgelegt, dass es unumkehrbar ist.

Die Physik arbeitet viel mit solchen Grundannahmen, also irgendjemand legt ein paar Grundparameter fest und macht aufgrund dieser Annahmen Untersuchungen, um etwas zu beweisen…
Wenn sich dann genug – oder die Richtigen (?) – Wissenschaftler zusammengefunden haben, die die Untersuchungen – potentiell auch auf anderen Wegen – bestätigen können, wird dies als gegeben angenommen, solange bis es widerlegt wird.

Im Grunde ist das ein Spiel – ein Spiel, wie es auch Kinder spielen. Für sie ist dann der Ast der Papa, der Zweig die Mama und das Blatt das Kind und mit diesen Grundannahmen spielen sie dann Familie – ist übrigens sehr interessant, sie dabei (möglichst ungesehen) zu beobachten, denn dann kann man selbst sehr viel über das Rollenbild lernen, das man ihnen vermittelt, aber das wäre jetzt ein anderes Thema…

Das ist ein Vorgehen, das durchaus legitim ist dahingehend, dass ich versuche, die Welt und wie sie funktioniert zu erklären. Nur was dann sehr häufig passiert, ist, dass das als die letztendliche Wahrheit „verkauft“ wird und ausgehend von dieser „endgültigen Wahrheit“ Auswirkungen auf die Gesellschaftsform festgelegt werden, die sich einschränkend und bedrückend für die beteiligten Menschen – die ja die Gesellschaft ausmachen – darstellen.

Zeitempfinden

Jedem Menschen ist klar, dass das Zeitempfinden enormen Schwankungen ausgeliefert unterliegt In schönen Momenten scheint die Zeit stehen zu bleiben, nichts scheint sich zu bewegen und das absorbiert sein in diesem einzigen Moment, der als Gegenwart bezeichnet wird und laut psychologischer Betrachtung ca. 3 Sekunden dauert.

Diese Gegenwart scheint hingegen unglaublich lange zu dauern, wenn man das Gefühl hat irgendwo festzusitzen und nur noch diesen Moment aushalten zu müssen, ehe es wieder weiter gehen kann – das Leben – das in solchen Momenten an uns vorüber zu ziehen scheint, während wir hier gefangen und festgehalten zu sein scheinen.

Ich denke, jeder kennt sowohl die einen, als auch die anderen Situationen. Was unterscheidet denn nun die einen von den anderen Situationen?

Die Lust – die Lust ist der zentrale Faktor, der entscheidet, ob wir uns in einer Situation wohl oder unwohl fühlen. Es ist entscheidend, ob wir Lust darauf haben in dieser Situation – so wie sie ist – zu sein oder nicht. Dieses Empfinden ist beeinflusst von ein paar Parametern.

Der Lustkiller Nummer 1 ist „Druck und Zwang“. Fühle ich mich also verpflichtet, in einer Situation zu sein, ist es höchstwahrscheinlich, dass die Freude auf der Stecke bleibt und die Zeit sich in die Länge zieht. Habe ich mich freiwillig dazu bereit erklärt diese Situation zu meistern, ist meine Freude eine ganz andere – obwohl es sich potentiell um die gleiche Situation handelt.

Was ebenso mein Empfinden beeinflusst, das Empfinden des Ausgeliefert-Seins oder das Empfinden der Freiwilligkeit in dieser Situation zu sein. Bin ich ein Opfer der Umstände oder bin ich ein selbstbestimmtes Wesen, das über sein Schicksal selbst entscheiden kann.

Keines der beiden ist eine 100% Wahrheit – es ist immer eine Mischung aus den beiden Enden der Skala, nur mein Urteil über den Bereich, in dem ich mich befinde, macht daraus „ein Drama“ oder „das Leben“. Fällt mein Urteil milde aus, ist auch das Leben milde zu mir, fällt mein Urteil unbarmherzig aus, ist auch das Leben unbarmherzig. Meine eigene Verurteilung wird mir selbst zum Stolperstein, wenn ich es zulasse…

Bin ich völlig frei in meiner eigenen Verurteilung oder Nicht-Verurteilung?

Nein, denn die basiert auf gelernten Mustern und wird in den unbewussten Teil des Körper-Geist-Systems übernommen. Es ist die Basis, wie der Körper – der viel schneller als der Geist reagiert – die Situation bewertet. Wird die Situation als potentiell gefährlich erkannt, greifen bereits die Mechanismen, die Stress auslösen, ohne dass noch eine Entwarnung über den Geist gegeben werden kann.

Die Ursachen solcher – als Gefahr bewerteten Situationen – sind Erlebnisse und Erfahrungen, denen man meist in der Kindheit ausgeliefert war. Ich verwende hier bewusst ausgeliefert, denn es handelt sich meist um Situationen, die aus Selbst-Schutz-Mechanismen eben keine Alternative zuließen, oft auch als Trauma bezeichnet. Oft verblasst die Erinnerung daran, aber das System gespeicherte Verhalten bleibt erhalten, bis es durch Erkennen und Benennen unter Zeugen erlöst wird.

Die Uhrzeit als Sklaven-Treiber

Hier komme ich wieder zurück zur Zeit – in dem Fall zur Uhrzeit – der Skala, die den Tag unterteilt und als deren Sklave wir uns im Moment – mehr oder minder – freiwillig selbst ausliefern. Die Uhrzeit bestimmt den Tagesablauf eines nahezu jeden Menschen. Das Leben in kleine überschaubare Häppchen eingeteilt und verplant – das Leben richtet sich nach einem selbst auferlegten Plan, dem man Folge leistet…

So wurde aus dem Erklär-Spiel der Wissenschaftler eine Möglichkeit geschaffen, uns selbst durch den Tag von einem Termin zum anderen zu treiben. „Termin“ geht auf lat. terminus, „Grenzzeichen“, zurück. Wir treiben uns selbst von einem kleinen Etappen-Ziel zum nächsten in der Hoffnung, das nächste Ziel erfülle uns, und wir missachten dabei ständig unsere eigenen Grenzen der Belastbarkeit und wundern uns, dass die Last so groß wird, dass wir Rückenschmerzen bekommen, die uns weitere Termine in Form von Yoga und Physio-Therapie bescheren, um die Folgen der Überlastung zu mildern…

Müssten wir diese Folgen mildern, wenn wir bereits vorher milde mit und zu uns gewesen wären?

Ich glaube nicht!

Aber wer hat uns denn das beigebracht, dass es besser ist, auf alles andere mehr acht zu geben, als auf uns selbst? So dass wir jetzt Achtsamkeits-Praxis (Vipassana) brauchen, um uns selbst wieder als wahr annehmen und anerkennen lassen?

Es waren unsere eigenen Eltern, die uns das beigebracht haben!
Sie haben – mangels selbst erlebter, mit sich selbst milde gestimmter Vorbilder – uns gezeigt, dass nur die Selbst-Ausbeutung uns zu guten, liebenswerten Mensch macht…

Die, die uns schützen sollten, haben uns verraten und es ist gut und wichtig, dies in dieser Form einmal zu sehen, wahrzunehmen und zu würdigen. Zu sehen, dass dies die Basis ist für unsere heutige Gesellschaftsform. Denn nur durch diese Annahme und Würdigung, sind wir alle gemeinsam imstande zu sehen, dass wir es nicht weiterhin als Basis so in dieser Form tragen wollen. Sondern dass wir eine Gesellschaftsform wollen, die eben nicht auf dem Prinzip des Stärkeren, des Schnelleren, des Leistungsträgers beruht, sondern auf Mitgefühl und Miteinander in dem jeder seinen Platz hat – egal wie seine Fähigkeiten sind!

Die Gesellschaft der Konkurrenz und des Gegeneinanders hat ausgedient und zu dem geführt, was wir heute auf der Welt beobachten können. Es ist keine Basis, die dem Leben dienlich ist – sie hat zu Zerstörung, Gewalt, Schmerz und Leid geführt. Die fatalistische Einstellung, dass ich als Einzelner nichts ausrichten kann oder gar die „alles ist bereits perfekt“-Brille manifestiert die Gesellschaft in der jetzigen Form. Natürlich kann ich mich von all dem zurückziehen, nicht hinsehen, all dem keine Energie geben… aber erst nachdem ich genau hingesehen habe, es so wie es im Moment auf der Welt ist anerkannt, gewürdigt und benannte habe, nämlich NICHT OK und auf Kosten der Schwächsten der Gesellschaft.

Die zentrale Frage

Eine Frage sollte sich jeder in jedem Moment, bei jeder Handlung des Lebens stellen:
„Wem dient es, wem schadet es und sind alle im Einklang damit?“

Wenn hinter dem „Wem dient es?“ niemand in Form eines Wesens steht, sprich wenn sich dahinter ein Papiertiger versteckt, wird die Handlung einfach nicht ausgeführt. Das selbe gilt, wenn nur einige wenige einen Vorteil davon haben und die Masse der Beteiligten dadurch einen Nachteil erfährt. Ebenso, wenn nicht ein Einverständnis der Beteiligten da ist. Sprich ich kann niemanden „heilen“ oder einen inspirativen Hinweis geben, wenn mein Gegenüber das gar nicht möchte.

 

Wir sind in der Lage miteinander zu kommunizieren, so sollten wir diese Möglichkeit auch nutzen. Wir können auch mit Tieren und Pflanzen kommunizieren. Es ist nicht so, dass sie nicht eigene Empfindungen hätten und nichts zum gemeinsamen Miteinander beitragen würden. Im Gegenteil, vielleicht würde sich dann auch die eine oder andere nahrungs-faschistische Diskussion erübrigen, wenn wir bei der Diskussion die Hauptbeteiligten – nämlich die Tiere selbst – einfach mit einbeziehen würden…
…vielleicht würden sie uns schlichtweg einfach sagen: „Ja, wenn wir ein würdiges Leben und Sterben haben können, könnt ihr uns gerne anschließend essen, kein Thema.“

Wir könnten so auch mit Sterbenden kommunizieren, um sie zu fragen, ob sie denn kurz vor ihrem Tod tatsächlich noch eine Hüft-OP wollen oder nicht, oder ob sie durch ein paar Maschinen künstlich am Leben gehalten werden oder nicht…
…all dies ist möglich, wenn wir es für möglich erachten ihr Empfinden in unseren Entscheidungsprozess einfließen zu lassen.

Wir haben alle hier das Leben empfangen – es ist bis heute nicht klar, welche der Millionen Samenzellen in das Ei vordringt…
…und wir werden alle unseren letzten Lebenshauch am Ende des Lebens tun…
…doch wie die wir die Zeit zwischen Leben und Tod empfinden, hängt sehr stark damit zusammen, wie wir sie durch unser Handeln gestalten. Lasst uns gemeinsam diesen Gestaltungsspielraum zu unser aller Wohl nutzen und uns auf die Dinge fokussieren, die tatsächlich unserem Wohl dienen und ein würdevolles Leben für alle Wesen ermöglichen.

Die Zeit eines bewussten Handelns ist gekommen und es liegt in der Hand eines jeden Einzelnen seinen persönlichen und gottgegebenen Spielraum im Wohle aller zu gestalten. Ich zähl auf Euch 😉

Um empfangen zu können, setzt eine gewisse Empfindsamkeit voraus und es ist an der Zeit, dieser die Würdigung zukommen zu lassen, die sie verdient!

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